Garrigue – Sonnenuntergang
©

Garrigue – Sonnenuntergang

|

A_Blanc_Thau-en-Méditerranée

Naturerbe

Die Garrigue – ein von Mensch und Natur geprägtes Naturerbe

Sie knirscht unter unseren Schritten, duftet nach Thymian und Rosmarin: Die Garrigue prägt die typische Landschaft des Archipel de Thau. Eine Umgebung, die von den Kalkböden, dem mediterranen Klima und jahrhundertelanger menschlicher Tätigkeit geprägt ist. Hinter ihrem zugleich rauen und faszinierenden Erscheinungsbild verbirgt sich ein bemerkenswerter ökologischer Reichtum, der als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen ist, sowie ein unscheinbares Kulturerbe: Trockenmauern, alte Feldwege und historische Überreste. Heute ist sie ein bevorzugtes Wandergebiet, in dem zahlreiche Wege es ermöglichen, all ihre Reichtümer zu entdecken.

Die Capitelles  Zeugen der Geschichte

Was sind das für kleine Steinhütten, die man mitten in der Garrigue antrifft? Sie tauchen entlang der Wege auf und sind Überbleibsel der Geschichte dieser Region und eines überlieferten Handwerks. Die Capitelles sind Trockenmauerbauten, die erstmals zwischen 2400 und 1700 v. Chr. und dann zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert entstanden. Sie wurden von Winzern und Hirten als Unterstand und zur Lagerung von Werkzeugen und Erntegut genutzt und prägen noch heute die Landschaft.

Mehrere Routen laden dazu ein, sie zu entdecken: der Weiler der Capitelles in Frontignan oder die Rundwanderwege von La Moure sowie die Wanderungen ab Poussan oder Montbazin, die uns einladen, uns das Leben von einst vorzustellen.


Eine ungeahnte Artenvielfalt

Die Garrigue ist trotz der Trockenheit der Umgebung ein artenreiches Gebiet und ein wahres Refugium für die Artenvielfalt. Ihre trockenen und flachen Böden schränken das Wachstum großer Bäume ein und begünstigen eine niedrige, widerstandsfähige Vegetation. Kermeseiche, Orchideen, Zistrosen, Thymian, Romanum, Wacholder und andere mediterrane Arten haben sich hier auf natürliche Weise angepasst. Was die Tierwelt angeht, müssen Sie genau hinschauen. Perleidechsen, Wiesenweihen, Grasmücken, Lerchen und zahlreiche Insekten wie Stabheuschrecken, Heuschrecken und Zikaden, darunter die „gezackte Zauberin“, führen hier ein unauffälliges, aber unverzichtbares Leben.

Botanische Lehrpfade, wie jene im Gardiole-Massiv oder in Loupian, ermöglichen es, diese Arten zu identifizieren und ihre Lebensweise besser zu verstehen.

Das Gardiole-Massiv und die Abtei Saint-Félix-de-Montceau

Man kann nicht von einem Spaziergang durch die Garrigue sprechen, ohne das Gardiole-Massiv zu erwähnen. Eine Reihe von Kalksteinhügeln, die sich zwischen den Gemeinden Gigean, Mireval und Frontignan erstreckt, das Thau-Becken überragt und einen spektakulären Ausblick auf die Teiche, die Weinberge und das Meer bietet. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Familien und Mountainbiker, die hier die Artenvielfalt und die kulturellen Schätze entdecken können.

Eingebettet in die Gardiole liegt die Abtei Saint-Félix-de-Montceau, ein ehemaliges Kloster, dessen erste urkundliche Erwähnungen bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Sie zeugt von der religiösen Besiedlung dieses abgelegenen Gebiets, das sich für das Klosterleben besonders eignete. Der Ort durchlief mehrere Besiedlungsphasen, bevor er aufgegeben und in der heutigen Zeit restauriert wurde. Heute sorgt ein Verein mit Veranstaltungen und kulturellen Angeboten dafür, dass der Ort lebendig bleibt und seine Geschichte weitergegeben wird.

Von der Garrigue nach Rom: die Via Domitia

Man hat verstanden, dass schon lange vor uns andere diese Gegend durchstreift haben. Die Via Domitia, die erste große Römerstraße, die ab 118 v. Chr. in Gallien gebaut wurde, durchquert noch immer unauffällig die Garrigue. Sie verband Spanien über Frankreich mit Italien und prägte den Handel und den militärischen Austausch. An einigen Stellen, wie beispielsweise in Loupian, kommen ihre jahrtausendealten Überreste zum Vorschein: Pflastersteine, Wegverläufe und Fragmente, die durch jahrelange archäologische Forschungen freigelegt wurden und einen historischen Einblick in die Landschaft der Garrigue bieten.

Mit ihren Wanderwegen, den Capitelles, den antiken Überresten und ihrer erstaunlichen Natur offenbart uns die Garrigue ein Kulturerbe von seltenem Reichtum.