Die WasserspieleDas große Sommer-Spektakel
Am 29. Juli 1666 führten Fischer aus Aigues-Mortes die ersten Einwohner von Sète in die Kunst des Wasserstierkampfs ein. Dreieinhalb Jahrhunderte später hat das Spektakel nichts von seiner Pracht eingebüßt. Zwei Boote, das eine blau, das andere rot, kreuzen stolz auf dem Kanal. Am Heck steht ein Kämpfer drei Meter über dem Wasser auf der Tintaine. In der einen Hand hält er eine 2,80 Meter lange Lanze, in der anderen einen hölzernen Schild. Acht Ruderer treiben das Boot im Rhythmus von Oboen und Trommeln voran. Der Zusammenstoß ist heftig. Die mit Eisen beschlagenen Lanzen prallen mit beeindruckendem Getöse aufeinander. Einer der Kämpfer kippt um und stürzt unter den Rufen Tausender Zuschauer, die sich an den Ufern drängen, in den Kanal.
Es ist das Sommer-Spektakel schlechthin im Archipel von Thau. Von Mitte Juni bis Anfang September finden die Turniere nacheinander statt. Der Saint-Pierre-Tag Ende Juni markiert den Auftakt in Frontignan, Mèze und Balaruc. Doch der Höhepunkt bleibt der Saint-Louis-Tag Ende August in Sète.
Sechs Tage lang ist die Stadt in Aufruhr. Kostenlose Tribünen bieten entlang des Canal Royal Platz für Zehntausende von Zuschauern. Die Parade der Ruderer, alle in Weiß gekleidet und mit Strohhüten, eröffnet die Feierlichkeiten. Auf dem Rathausplatz versammelt die „Macaronade“ alle um dieses Nudelgericht mit Tomatensoße, gespickt mit Würstchen und Brageoles. Eine Tradition in der Tradition.
Sieben Vereine halten die Tradition in Sète am Leben. Die École de joutes de la Marine bildet die Champions von morgen bereits ab 3 Jahren aus. Die Weitergabe innerhalb der Familien bringt die Tribünen zum Beben, hier und in allen Küstengemeinden des Archipels von Thau, wo sich die jungen Lanzenträger jeden Sommer messen. Das Musée de la Mer widmet dieser Tradition zwei Säle mit Schildern, Lanzen und Kostümen. Die Schilde der Sieger des Saint-Louis-Turniers, die jedes Jahr von einem Künstler aus Sète verziert werden, kommen ins Musée Paul Valéry. Ein lebendiges Kunstwerk, das seit 360 Jahren entsteht.

Turniere
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