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Das Museum des Étang de Thau Eine Reise ins Herz der Muschelzucht

An den Kais des Fischereihafens von Bouzigues, mit Blick auf die Austernbänke, die das Bild der Lagune prägen, erzählt das Museum des Étang de Thau eine jahrhundertealte Geschichte. Die Geschichte der „Bauern des Meeres“, jener Muschelzüchter und Fischer, die die Identität des Thau-Beckens geprägt haben. Das 1991 eingeweihte ethnografische Museum ist weit mehr als nur eine Ausstellung: Es ist ein lebendiger Einblick in ein einzigartiges Kulturerbe, in dem sich althergebrachte Traditionen, technische Innovationen und der Respekt vor einem empfindlichen Ökosystem vermischen.

Eine Gründung, die von lokaler Leidenschaft getragen wird

Alles begann im Jahr 1981. Louis Higounet, der spätere Bürgermeister von Bouzigues, brachte eine einfache, aber entscheidende Idee auf den Weg: die Instrumente der traditionellen Muschelzucht und Fischerei zu bewahren und zu präsentieren, bevor sie in Vergessenheit geraten. In den Räumlichkeiten des Foyer rural versammelt eine erste Sonderausstellung Netze, Körbe, Fischerwerkzeuge und Zuchtgeräte. Der Erfolg übertrifft alle Erwartungen. Die Einwohner von Bouzigues strömen herbei, bringen neue Gegenstände mit und teilen ihre Erinnerungen. Die Ausstellung wird zu einer Dauerausstellung.

Zehn Jahre später erhält das Projekt eine neue Dimension. Mit Unterstützung des Kulturministeriums, der Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten und der Direktion der Museen Frankreichs errichtet die Stadt Bouzigues ein Gebäude, das speziell für die Unterbringung dieser Sammlungen konzipiert ist. Der Architekt Christian Salvador aus Sète entwirft ein modernes Gebäude am Ufer des Teiches, das sich zur Lagune hin öffnet. Die Szenografie wird Beb Phalip, Bérénice und François Goni anvertraut, die eine originelle Inszenierung entwickeln, bei der die Objekte nicht einfach ausgestellt, sondern in ihren Nutzungskontext zurückversetzt werden.

Am 21. Oktober 1991 öffnete das Musée de l’Étang de Thau seine Pforten mit dem Label „Musée contrôlé“, dem Vorläufer des heutigen Labels „Musée de France“. Bouzigues, ein Dorf mit weniger als 2.000 Einwohnern, verfügt nun über eine bedeutende kulturelle Einrichtung, um sein Gedächtnis und sein Know-how weiterzugeben.

Die Pyramide von Louis Tudesq Die Erfindung, die alles verändert hat

Das Wahrzeichen des Museums steht direkt am Eingang des ersten Saals: eine durchbrochene Betonpyramide. Diese massive, unscheinbare Konstruktion hat jedoch die Austernzucht am Étang de Thau revolutioniert. Im Jahr 1925 entwickelten Louis Tudesq, von Beruf Maurer, und einige andere Einwohner von Bouzigues diese innovative Zuchttechnik. Das Prinzip ist genial: Die Austernlarven heften sich auf natürliche Weise am Beton der in der Lagune versenkten Pyramide fest. Sobald sich die Larven festgesetzt hatten, genügte es, sie abzunehmen und umzusetzen, um die Zucht fortzusetzen.

Diese Erfindung machte Bouzigues zur Wiege der Muschelzucht am Étang de Thau. Die Pyramiden-Technik wurde schnell in der gesamten Lagune übernommen, bevor sie durch andere, effizientere Methoden abgelöst wurde. Heute sind fast keine Exemplare dieser Pyramiden mehr erhalten. Die im Museum aufbewahrte Pyramide zeugt von einer vergangenen, aber wegweisenden Epoche.

Vor dieser technischen Revolution waren die Küsten des Languedoc bereits seit der Römerzeit für das Sammeln von Venusmuscheln, Miesmuscheln und Austern auf natürlichen Muschelbänken bekannt. Im Jahr 1900 führte die Überfischung der Gewässer zu einer Verarmung der Bestände.

Die Fischer wehrten sich lange Zeit gegen die Einrichtung von Zuchtanlagen, da sie um ihre traditionelle Tätigkeit fürchteten. Doch nach mehreren Versuchen in Sète, Balaruc und schließlich Bouzigues etablierte sich die Muschel- und Austernzucht endgültig. Die Techniken entwickeln sich weiter: Betonpyramiden, Mangrovenstangen und schließlich hängende Zuchttische prägen heute das Bild des Lagunengebiets.

Aquarien und die Artenvielfalt in Lagunen  

Der 2016 komplett renovierte Aquarienraum lässt den Besucher in das Ökosystem der Lagune eintauchen. Hier schwimmen die für den Étang de Thau typischen Fischarten: Grundeln, Seebarsche, Doraden und Seenadeln. Diese Fische leben in nachgebildeten Becken, die ihren natürlichen Lebensraum zwischen Seegras und Sand nachahmen. So versteht man besser, warum die Lagune 88 Fischarten beherbergt und hinsichtlich der Artenvielfalt eines der reichsten Gebiete im Mittelmeer darstellt.

In den Aquarien lassen sich diese oft scheuen Tiere aus nächster Nähe beobachten. Der Seenadel, ein Verwandter des Seepferdchens, versteckt sich im Seegras. Die Jungfische von Seebären und Doraden nutzen das ruhige Wasser der Lagune, um zu wachsen, bevor sie ins Meer zurückkehren. Diese lebendige Präsentation ergänzt das Thema des Museums perfekt: zu zeigen, dass Muschelzucht, Fischerei und Umweltschutz untrennbar miteinander verbunden sind.

Umwelt und traditionelle Boote  

Der Raum „Umwelt“ präsentiert die Fauna und Flora der Lagune anhand neuer Wandtafeln, die den Vögeln gewidmet sind. Seeregenpfeifer, Säbelschnäbler, Flamingos, Reiher: All diese Stelzvögel sind an den Ufern des Étang de Thau anzutreffen und zeugen vom ökologischen Reichtum des Gebiets. Eine Übersichtskarte des Étang de Thau hilft dabei, sich in dieser komplexen Landschaft zurechtzufinden, in der sich Muschelzuchtgebiete, Naturschutzgebiete und Schifffahrtswege vermischen.

Das Herzstück dieses Raumes bildet eine Segelgondel, die auf ihrer Halterung ruht. Dieses für den Étang de Thau typische Boot mit seinem charakteristischen Lateinersegel diente früher den Fischern und Muschelzüchtern für ihre täglichen Fahrten. Das Museum besitzt drei davon in seinen Sammlungen, darunter dieses Exemplar, das vom lokalen Baukunstgenie zeugt. Die nebenan ausgestellten Schablonen aus der Aversa-Sammlung zeigen die verschiedenen Rumpfformen, die an die besonderen Bedingungen der Lagunenschifffahrt angepasst sind.

Wechselausstellungen und Veranstaltungen  

Ein Bereich für Wechselausstellungen ermöglicht es dem Museum, sein Angebot regelmäßig zu erneuern. Jedes Jahr steht ein neues ethnologisches oder technisches Thema im Mittelpunkt. Im Jahr 2012 gab die Ausstellung „Frauen vom Teich – Stimmen und Porträts von Frauen aus dem Bassin de Thau“ diesen Arbeiterinnen im Hintergrund eine Stimme, die in der Geschichte der Muschelzucht lange Zeit unsichtbar geblieben waren. Von 1999 bis 2001 beleuchtete „La Saint-Pierre – Feste und Traditionen der Fischer im Mittelmeerraum“ die Feierlichkeiten rund um das Meer. In jüngerer Zeit, im Jahr 2025, enthüllte „Rot, grün oder braun – Geheimnisse der Meeresalgen“ einen weiteren wenig bekannten Aspekt des Lagunenökosystems.

Das Museum nimmt auch an großen nationalen Veranstaltungen teil. Anlässlich der Europäischen Nacht der Museen im Mai öffnet es abends kostenlos seine Türen und bietet Animationen und Konzerte an. Die Tage des Kulturerbes im September bieten Gelegenheit für thematische Führungen und Begegnungen mit Muschelzüchtern und Fischern. Der „Printemps des musées“, an dem das Museum seit 1999 teilnimmt, ermöglicht es, einen Blick hinter die Kulissen der Einrichtung zu werfen.

Ein lebendiges Museum, das fest in seiner Region verwurzelt ist

Das als „Musée de France“ anerkannte Musée de l’Étang de Thau ist nicht nur ein reines Archiv der Vergangenheit. Es ist ein lebendiger Ort, der das lokale Gedächtnis und traditionelles Know-how in den Vordergrund rückt und gleichzeitig die Zukunft hinterfragt. Wie lassen sich Muschelzucht, Fischerei, Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung im Alltag miteinander vereinbaren und gleichzeitig das empfindliche Ökosystem der Lagune schützen? Diese Frage zieht sich durch den gesamten Museumsrundgang.

Das Museum ist Eigentum der Stadt Bouzigues und wird seit 2017 von Sète Agglopôle Méditerranée verwaltet, zusammen mit dem galloromanischen Museum Villa-Loupian und dem Jardin Antique Méditerranéen in Balaruc-les-Bains. Diese drei Einrichtungen bilden einen zusammenhängenden Verbund von Museumsstätten rund um ein gemeinsames Thema: die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur in der Geschichte und ihrer Zukunft innerhalb der Kulturlandschaft des Archipels von Thau.
Ein Verein der „Amis du Musée“ unterstützt die Arbeit der Einrichtung und beteiligt sich am kulturellen Leben der Region.

Der Verein „Voile latine de l’étang de Thau“, der am benachbarten Kai des Fischereihafens ansässig ist, bewahrt und pflegt die traditionellen Boote, die nur wenige Meter vom Museum entfernt vor Anker liegen. Der Besuch lässt sich ganz natürlich im Freien fortsetzen, entlang der Kais, wo die Muschelzüchter die von Generation zu Generation weitergegebenen Handgriffe fortführen.

Ein bereichernder Besuch für alle

Das Museum bietet sowohl freie Besichtigungen als auch Führungen an. Die Führungen, die nach Voranmeldung von Montag bis Freitag für Gruppen und mittwochs um 15 Uhr für Einzelbesucher stattfinden, ermöglichen eine vertiefte Erkundung in Begleitung eines Kulturvermittlers, der Anekdoten und Fachwissen vermittelt. In einem audiovisuellen Raum wird ein Film über die Zucht von Austern und Miesmuscheln sowie die Fischereitechniken im Étang de Thau gezeigt, der den Besuch durch lebendige Erfahrungsberichte von Fachleuten ergänzt.
Das Museum ist für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich und bietet Einrichtungen für Besucher mit Hör- und geistiger Behinderung: begleitende Texte und Bilder, ein Rundgang mit Figuren, Skizzen, Fotos und Zeichnungen. Diese Aufmerksamkeit für Barrierefreiheit ermöglicht es jedem, dieses außergewöhnliche Kulturerbe zu entdecken.
Der Museumsshop bietet Bücher zur Geschichte der Muschelzucht, lokale Produkte und Souvenirs an. Gleich nebenan laden die Restaurants am Hafen dazu ein, das Erlebnis bei einer Verkostung von frisch aus dem Teich geholten Austern und Miesmuscheln fortzusetzen, mit Blick auf eben jene Muschelparks, die man im Museum entdeckt hat.

Quellen

Wikipedia (Museum des Étang de Thau), Sète Agglopôle Méditerranée, Stadt Bouzigues, Fremdenverkehrsamt Archipel de Thau, Hérault Tourisme, INA Fresques (Rivages Héraultais), France Voyage, Tourisme Occitanie

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